Mit der steigenden Lebenserwartung von Menschen mit Behinderungen entstehen neue Herausforderungen in der Pflege, die innovative Lösungen erfordern. Das Erasmus+ Projekt GOLD mit einer Laufzeit von 30 Monaten zielt darauf ab, Fachkräfte, Ehrenamtliche und pflegende Angehörige mit Schlüsselkompetenzen auszustatten, um die Qualität in der Begleitung und Pflege zu verbessern. Es soll sichergestellt werden, dass Menschen mit Behinderungen in Würde und Unabhängigkeit altern können. Das Projekt fördert außerdem die Zusammenarbeit zwischen den Bereichen Altenpflege und Behindertenhilfe, um die Pflege- und Unterstützungsleistungen an die veränderten Anforderungen anzupassen und zu optimieren. Durch Schulungen, Sensibilisierungsmaßnahmen und praktische Arbeitsbehelfe trägt das Projekt GOLD aktiv zur Förderung von Inklusion und Empowerment sowie der Gestaltung von geeigneten Unterstützungsangeboten für diese wachsende Bevölkerungsgruppe bei.
Seit dem Projektstart im November 2024 arbeiten Partnerorganisationen aus ganz Europa aktiv an den ersten Projektergebnissen, um dem dringenden Bedarf an hochwertigen Unterstützungs- und Pflegeangeboten für alternde Menschen mit Behinderungen gerecht zu werden. Ziel des GOLD-Projekts ist die Entwicklung von Methoden und Arbeitsmitteln zur Kompetenzerweiterung für Fachkräfte und Ehrenamtliche im Bereich der Behindertenhilfe und/oder Altenpflege sowie für pflegende Angehörige. Mit der Entwicklung und Umsetzung von Qualifizierungsmaßnahmen soll das Projekt die Qualität von Dienstleistungen für ältere Menschen mit Behinderungen optimieren und damit die Erhaltung ihrer Würde, Autonomie und des Wohlbefindens gewährleisten.
Statistiken belegen einen stetigen Anstieg des Durchschnittsalters von Menschen mit intellektueller Behinderung, von denen derzeit 75% der Altersgruppe zwischen 40 und 60 Jahre angehören. Die höhere Lebenserwartung von Menschen mit Behinderungen bringt neue Herausforderungen für die Pflege und Begleitung mit sich.
Die Europäische Kommission unterstreicht in der Strategie für die Rechte von Menschen mit Behinderungen 2021-2030 das breite Spektrum an unterschiedlichen Behinderungen und stellt fest, dass knapp die Hälfte der über 65-Jährigen angibt, eine Behinderung zu haben. Pflegedienste und Fachkräfte begegnen diesen demographischen Veränderungen weitgehend unvorbereitet, weil die vorhandenen Dienstleistungsmodelle nicht entsprechend angepasst wurden.
Zur Bewältigung dieser Herausforderungen ist ein Perspektivenwechsel erforderlich. Während das Altern als natürlicher Lebensabschnitt weitgehend akzeptiert ist, werden Menschen mit Behinderung kaum als erwachsene oder alternde Menschen wahrgenommen, sondern vielmehr als ewige Jugendliche. Die UN-Behindertenrechtskonvention betont in Artikel 19 das Recht auf Selbstbestimmung und die Notwendigkeit, Menschen mit Behinderungen zu ermächtigen, ihr Leben nach ihren eigenen Wünschen und Vorstellungen zu gestalten.
Das GOLD-Projekt verdeutlicht die Notwendigkeit der Zusammenarbeit in den Bereichen Altenpflege und Behindertenhilfe, um Fachwissen auszutauschen und innovative Lösungen zu schaffen. Wie Anne Belot (Gérontologie & Société, 2019) betont, liegt der Schlüssel darin, „die Geriatrie in die Behindertenhilfe und die Behindertenhilfe in die Geriatrie zu bringen“. Alle europäischen Länder müssen entschiedene Maßnahmen ergreifen, um sicherzustellen, dass alternde Menschen mit Behinderungen angemessene Pflege und Unterstützung erhalten – eine Priorität, die von der Europäischen Kommission in ihrem Grünbuch zum Thema Altern hervorgehoben wurde.
Aus diesem Grund werden im Rahmen des GOLD-Projekts praktische und benutzer:innenfreundliche Schulungsmaterialien entwickelt, um Fachkräfte aus dem Sozial-, Gesundheits-, Bildungs- und Pflegebereich bei der Anpassung von Pflege- und Unterbringungsangeboten zu unterstützen.
- Weiterbildung von pflegenden Angehörigen sowie Fachkräften und Ehrenamtlichen in der Behindertenhilfe und Altenpflege, um den Bedürfnissen der alternden Bevölkerung mit Behinderungen gerecht zu werden.
- Die Förderung von sozialer Integration und Empowerment sowie die Wahrung der Würde von Menschen mit Behinderungen im Alter.
- Sensibilisierung für die Situation alternder Menschen mit Behinderungen für Fachkräfte, Ehrenamtliche, pflegende Angehörige, Behörden und die Zivilgesellschaft.
Durch die Förderung der Zusammenarbeit sowie Sensibilisierungs- und Fortbildungsmaßnahmen zielt das GOLD-Projekt darauf ab, eine Zukunft zu schaffen, in der alternde Menschen mit Behinderungen die hochwertige Pflege und den Respekt erhalten, die ihnen zustehen.
Ausführliche und aktuelle Informationen zum GOLD-Projekt finden Sie auf der Website https://gold-project.eu/ und in den wichtigsten sozialen Medien unter dem Hashtag #GOLD_EU_PROJECT.
HINWEISE FÜR DIE REDAKTION
Das GOLD-Projekt wird von einem Konsortium umgesetzt, das von AGFE (Frankreich) koordiniert wird und folgende Partner-Organisationen umfasst: UNESSA, EPR und AGE PLATFORM (alle Belgien), Anziani e non solo und Scuola Centrale Formazione (beide Italien), Aproximar (Portugal), Chance B (Österreich), ASSOC (Rumänien).
Weitere Informationen zum Konsortium finden Sie unter: https://gold-project.eu/partnership/